Allgemeine Informationen zur Anästhesie

Im Gegensatz zu der lange praktizierten Vorgehensweise, Patienten für einen operativen Eingriff für einen mehr oder weniger langen Zeitraum ins Krankenhaus einzuweisen, handelt es sich beim ambulanten Operieren um ein modernes patientenorientiertes Behandlungskonzept. Im Gegensatz zum stationären Aufenthalt, bei dem der Patient auch bei kleineren Eingriffen u.U. für mehrere Tage seine gewohnte Umgebung und sein soziales Umfeld aufgeben muss, verbringt der Patient sowohl die Nacht vor einer ambulanten Operation als auch – zumindest in den meisten Fällen – die Nacht nach der Operation in seiner gewohnten Umgebung zu Hause. Darüber hinaus hat jeder Patient – auch der gesetzlich versicherte Patient – bei der ambulanten Operation gegenüber der Operation im Krankenhaus den Vorteil, dass er sich den Operateur seines Vertrauens selbst aussuchen kann. Hiermit ist auch die Sicherheit verbunden, dass er auf jeden Fall von einem Facharzt operiert wird. Diese Versorgung durch Ärzte des persönlichen Vertrauens und die positiven Einflüsse des gewohnten Umfeldes haben häufig dann auch eine schnellere Genesung des Patienten zur Folge. Nicht zuletzt ist unter dem Aspekt der Kostenexplosion noch das Argument von Gewicht, dass das ambulante Operieren eine kostengünstige Alternative zur stationären Versorgung der Patienten darstellt.

Ambulante Operationen können in den unterschiedlichsten operativen Fachgebieten durchgeführt werden, wobei für die optimale Patientenversorgung eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Operateur, dem Anästhesisten und dem dazugehörigen Assistenzpersonal unabdingbare Voraussetzung ist (Liste ambulant durchführbarer Operationen).

Ablauf einer ambulanten Operation

Nachdem durch den operierenden Arzt die Indikation für eine ambulant durchführbare Operation gestellt und mit dem Patienten ausführlich besprochen wurde, müssen zunächst die Voraussetzungen für eine ambulante Operation geklärt werden:

  • der Patient darf nicht an schweren organischen Erkrankungen leiden, insbesondere nicht an bisher nicht ausreichend behandelten Krankheiten (Verengung der Herzkranzgefäße, schweres Asthma, unbehandelter deutlicher Bluthochdruck u.a.m.)
  • der Patient darf keine akuten infektiösen Erkrankungen mit Fieber (Temp. über 38 °C, eitriger Auswurf) haben
  • der Patient muss die Empfehlungen für das Verhalten vor und nach der Operation in Narkose (Allgemein- oder Regionalanästhesie) verstehen und unbedingt befolgen
  • der Patient muss zu Hause ausreichende Betreuungsmöglichkeiten für die Zeit nach der Operation zur Verfügung haben
  • von unserer ärztlichen Seite muss die Erreichbarkeit rund um die Uhr für die Patienten gewährleistet werden, um postoperative Probleme unmittelbar beheben zu können.

Nachdem diese Punkte geklärt sind, erfolgt ggf. noch eine Voruntersuchung durch den betreuenden Hausarzt, bei der die allgemeinen Gesundheitsdaten zusammengefasst werden. Außerdem werden noch aktuelle Laborwerte ermittelt und nach Anforderung auch ein EKG geschrieben. Eine Röntgenaufnahme der Brustorgane (Herz und Lunge) ist nur in Einzelfällen erforderlich und wird vom Anästhesisten/Operateur gezielt angefordert. Auf der Basis dieser Daten erfolgen dann noch eine Voruntersuchung und ein informierendes Vorgespräch durch den Anästhesisten. Hierbei werden die unterschiedlichen Anästhesieverfahren mit dem Patienten besprochen, die unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes des Patienten und seiner individuellen Wünsche für den geplanten operativen Eingriff in Frage kommen. Außerdem werden hierbei nochmals die Verhaltensregeln für den Operationstag ausführlich besprochen.

Am OP-Tag muss der Patient die beim Vorgespräch angegebene Zeit der Nüchternheit unbedingt einhalten, da ansonsten der geplante operative Eingriff nicht durchgeführt werden kann.

Der Patient sollte dann pünktlich zum vereinbarten Operationstermin erscheinen. In der Praxis erhält der Patient dann noch die vorbereitenden Medikamente und wird möglichst innerhalb einer halben Stunde nach seinem Eintreffen in den OP-Bereich eingeschleust. Hier wird er durch das Anästhesie-Team begrüßt und die Anästhesie (Allgemein- oder Regionalanästhesie) wird eingeleitet. Nach Abschluss der Vorbereitungen (Lagerung, Desinfektion, sterile Abdeckung) wird der Eingriff durchgeführt. Nach Abschluss der Operation wird der Patient in den Aufwachraum verlegt. Hier kann er zunächst ausschlafen, erhält bei Bedarf auch ausreichend Schmerzmittel und wird – gegebenenfalls auch über mehrere Stunden hinweg – solange betreut und überwacht, bis der Zustand eine bedenkenlose Entlassung in die häusliche Umgebung erlaubt.

Im Fall von später auftretenden Problemen sind sowohl der Operateur als auch der betreuende Anästhesist für den Patienten jederzeit erreichbar.

Wie man den obigen Ausführungen entnehmen kann, stellen ambulante Operationen speziell für Kinder eine sehr gute Alternative zur stationären operativen Versorgung dar. Insbesondere die psychische Belastung der Kinder wird durch die weitgehende Einbeziehung der Eltern und die schnelle Rückkehr in die gewohnte häusliche Umgebung auf das geringstmögliche Maß reduziert. Die typischen Operationen im Kindesalter (Leistenbruch, Wasserbruch, Leistenhoden, Phimose, Rachenmandeln (Polypen), Zahnbehandlung bzw. kieferchirurgische Eingriffe) können alle ambulant durchgeführt werden.

Natürlich bemühen wir uns, Kinder in einer ihrem Alter entsprechenden Form zu betreuen und ihre Ängste und Befürchtungen abzubauen. Dazu gehört auch das vorbereitende Gespräch mit dem Anästhesisten, bei dem bereits eine Vertrauensbasis geschaffen werden kann. Hinzu kommen die bedarfsweise Gabe von beruhigenden Medikamenten vor der Operation, das schmerzausschaltende Pflaster vor der Venenpunktion und die Anwesenheit der Eltern bis zum Einschlafen des Kindes. Außerdem werden die Kinder auch rund um die Operation mit kleinen Aufmerksamkeiten verwöhnt. Dies alles trägt dazu bei, dass der Operationstag bei den betroffenen Kindern nicht als Negativerlebnis in der Erinnerung haften bleibt.